- Claudio Laible

- 17. März
- 3 Min. Lesezeit
Wir müssen was auf Social Media machen...
Erstellt: 17. März 2026 von Claudio Laible
Es gibt Sätze, die man als Aussenstehender so oft hört, dass man fast schon schmunzeln muss. Dieser ist einer davon. „Wir müssen was auf Social Media machen." Er kommt selten aus einer klaren Strategie heraus, sondern aus einem diffusen Gefühl – irgendwo zwischen Druck, schlechtem Gewissen und dem vagen Eindruck, dass alle anderen irgendwie präsenter sind.
Was danach passiert, ist fast immer dasselbe. Man fängt an, postet etwas wenn die Zeit da ist, repostet mal wenn ein Kunde einem tagged, schreibt ab und zu eine Caption, die irgendwie passen soll. And that's it. Kein roter Faden, kein klares Ziel, kein System dahinter.
Social Media als Stressor
Neulich hatte ich ein längeres Gespräch mit jemandem aus der Sportbranche. Eine One-Man-Show im B2B-Business – und genau deshalb zählt jede Stunde, die man investiert, doppelt. Instagram ist trotzdem irgendwie ein Thema, Endkonsumenten sind auf der Plattform, taggen das Unternehmen, erwarten eine gewisse Präsenz. Also postet man wenn's grad passt, repostet mal wenn jemand tagged, and that's it.

Was mich an diesem Gespräch beschäftigt hat: Für den tatsächlichen Stellenwert, den Social Media in diesem Business hat – objektiv eher tief, da kein direkter Sales-Kanal in der B2B-Logik – ist es erstaunlich präsent im Kopf. Ein permanenter Begleiter, nicht als Priorität, aber als Stressor. Das „man müsste eigentlich", das nie wirklich verschwindet.
Und gleichzeitig: Man postet, hofft auf einen Effekt – und der bleibt aus. Keine Reaktionen, keine Views, kein spürbarer Payoff. Das ist nicht nur frustrierend, das ist auch irgendwie deprimierend. Man investiert Zeit und Energie, gefühlt kommt aber nichts zurück, so wächst die Sinnfrage und Social Media rutscht weiter nach unten in der Prioliste – ist aber trotzdem immer noch da.
Die Jogging-Falle
Ich vergleiche das gerne mit Sport. Stell dir vor, du startest mit joggen und gehst zwei-drei Mal pro Woche – ohne Plan, ohne Ziel, ohne zu wissen warum eigentlich. Du weisst, dass es gut täte, und das tuts auch – aber nach ein paar Wochen verlierst du den Tritt weil, siehst du keine Resultate, wirst nicht schneller, fühlst keinen Unterschied. Also verlierst du die Lust.
Nicht weil Laufen sinnlos ist, sondern weil das Ziel fehlt, der Plan fehlt, der rote Faden fehlt.
Social Media ohne Strategie funktioniert genauso. Man ist aktiv, investiert Zeit – aber ohne zu wissen, wohin es führen soll und dann vergeht einem mit der Zeit die Lust und stresst einem nur noch.
Das eigentliche Problem
Und hier ist das Ding: Die meisten Unternehmen haben kein Content-Problem. Hinter jedem Unternehmen stecken Geschichten, Produkte, Emotionen, Erfahrungen, Menschen – genug Material, um spannende und authentische Inhalte zu zeigen, die wirklich hängen bleiben. Die Basis ist fast immer da.
Was fehlt, ist die Richtung. Eine klare Antwort darauf, was Social Media leisten soll, wen man erreichen will und wie man es so aufbaut, dass es zu den eigenen Ressourcen passt – realistisch, effizient, ohne Dauerstress. Die Fragen, die wirklich zählen, sind nicht „was posten wir?" oder „wie oft?", sondern: Was soll es uns bringen? Und wie nutzen wir es so smart, dass es tatsächlich etwas bewegt?
Das klingt simpel – ist es aber nicht immer, weil es ehrliche Antworten braucht, die manchmal unbequem sind. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass nicht jedes Unternehmen auf jeder Plattform präsent sein muss, oder dass weniger Posts mit mehr Substanz mehr bewegen als tägliche Aktivität ohne Richtung.
Was wirklich hilft
Wenn ich mit Unternehmen an ihrem Social Media Auftritt arbeite, fangen wir immer mit diesen Grundfragen an – bevor auch nur ein einziger Post geschrieben wird. Ziel, Zielgruppe, Ressourcen, Realismus. Erst wenn das klar ist, macht Content Sinn.
Das Ergebnis ist meistens nicht mehr Aktivität, sondern smartere Aktivität. Weniger Posts, dafür mit klarer Absicht. Weniger Stress, dafür mit spürbarem Effekt. Social Media, das zu den eigenen Ressourcen passt und nicht permanent im Hinterkopf hängt wie ein unerledigtes To-do.
Aus einem Stressor wird ein Tool – eines, das arbeitet, auch wenn man gerade nicht daran denkt.
Und der Kunde aus der Sportbranche?
Wir arbeiten gerade genau daran – was Social Media für sein Business realistisch leisten kann, wie es effizient und ohne Dauerstress funktioniert und wo der echte Mehrwert liegt. Nicht für alle gleich. Sondern für ihn.



